WordPress.com NICHT GLEICH WordPress.org

In letzter Zeit kam es ein paarmal vor, dass irgendwelche Personen WordPress belächelt haben, nachdem Sie gefragt haben mit was ich Websites grösstenteils umsetze.

Den meisten – ok, allen – diesen Personen fehlt aber auch einfach die Fachkompetenz um überhaupt über etwas im Bereich Webentwicklung zu sagen.

Dann nutzen Sie Wix oder Weebly und denken das sind die Standard-Tools und dass diese eigentlich genau gleich sind wie WordPress. Warum sich diese Personen meistens lächerlich machen wenn Sie solche Aussagen machen?

WordPress.com = von Automattic vorgegeben,
WordPress.org = Open Source Code

WordPress ist Open Source, bietet seine Tools aber auch gehostet auf WordPress.com an. Dort kann man verschiedene Abos wählen, welche weitere Funktionen wie „eigene Plugins“ hochladen freischalten.

Das Backend wird durch wordpress.com vorgegeben. Die Plattform ist nicht für Entwickler gedacht, sondern für Personen die sich selbst eine Website oder einen Blog zusammenbasteln wollen.

Das kann natürlich mit Website Baukästen wie Wix oder Weebly verglichen werden. Aber auch da spielt man mit WordPress in einer ganz anderen Liga, weil 1. die Community viel grösser ist und WordPress viel mehr Plugins/Erweiterungen/Module bietet als andere „Baukästen“. Nicht 100 mehr, dass sind 10’000+ mehr.

WordPress als Software

Auf wordpress.org kannst du die Grundsoftware von WordPress herunterladen und damit machen was du willst. Du gibst die Serverumgebung und Tools vor. Du sagst wie du deine Website entwickeln willst. Wix kann höchstens mit WordPress.COM verglichen werden aber sicher nicht mit der Software an sich.

Mit den WP Code an sich, könnte Wix theoretisch nachgebaut werden. Umgekehrt? Unmöglich. Das sind zwei ganz andere Ligen.

WordPress ist nur für Blogs gut

Ein weiterer dummer Mythos. Das galt vielleicht in 2010 noch, als WordPress explizit für Blogs entwickelt wurde. Trifft heute nicht mehr zu.

WordPress ist so aufgebaut, dass verschiedene Post Types mit verschiedenen Taxonomien (Kategorien & Tags) definiert und genutzt werden können. Standardmässig sind das „Seiten“ und „Beiträge“. Da aber beliebige Post Typen und Taxonomien erstellt werden können, kannst du damit auch alles erreichen was du willst. Blogs, Online-Shops, Verzeichnisse, Wikis, Info-Plattformen, Firmenwebsites, Portfolios etc. Mit WordPress kannst du jede Art von Website entwickeln.

PHP ist alt und nicht mehr State of the Art!

Top, warum wird es dann ständig weiterentwickelt? Vielleicht meinst du PHP 5.6. Momentan sind wir aber bei PHP 8.2. Schau dir zuerst die Statistiken an bevor du so etwas rausplapperst.

Welches Theme? » volle Kontrolle

Je nach Projekt gar keines. Ich kann WordPress nutzen wie ich will. Mag ich den FSE Editor Ansatz? Der ist gut, aber noch in den Kinderschuhen. Block based Themes? Passt. Classic Themes? Passt auch. Gar keine Theme-Funktionalitäten nutzen? Passt. WP als Headless CMS? Passt.

Ich habe die Kontrolle über die Serverumgebung, die Datenbanken, wie ich Queries abfrage (geht auch mittels GraphQL) und was ich für das Frontend nutze. Was bringt das alles? Ich kann Kunden das bieten was Sie brauchen und nicht das, was das Tool vorgibt.

Egal welches Framework oder welche JavaScript Library auch immer – wenn du unbedingt möchtest, bringst du alles zum laufen.

WordPress als CMS?

Mein Ansatz: Wenn Kunden keine Inhalte bearbeiten wollen, die Website nicht dynamisch sein muss, dann nutze ich auch kein WordPress.

Aber auch da – in 1 Minute ist mein vordefinierter WordPress Blueprint auf dem Server installiert und ich kann direkt mit dem entwickeln beginnen. Viel schneller bin ich da von „Hand“ auch nicht mehr.

Wenn Kunden Inhalte selbst bearbeiten möchten, nutze ich WordPress als Backend Lösung. Aufgeräumt ist der Gutenberg Editor wirklich einfach zu verstehen und zu nutzen. Aber auch da, ich kann einfach vordefinierte Input-Felder eingeben und brauche den Gutenberg Editor nicht. Oder ich nutze den Classic Editor. Oder ich lasse Kunden Tools wie Bricks oder Breakdance nutzen – so habe ich quasi ein Wix in WordPress 😉

Da ist ein wichtiges Mass zwischen Reduktion/Abstraktion sinnvoll. In anderen Backend-Lösungen hast du nur Inptutfelder und Textbereiche untereinander und siehst nie, wie genau das im Frontend dann angeordnet wird. Je nach Kunde ist das nicht wirklich brauchbar. Als Entwickler kein Ding, wenn du einfach eine CSS Klasse in ein Feld angeben kannst, eine Checkbox wie „Spalte“ anklickst und du weisst was dann passiert. Für Kunden aber je nachdem unmöglich zu verstehen. Da hilft es, wenn er sieht dass da Inhalte auch im Backend in zwei Spalten dargestellt werden.

Und ganz ehrlich, es ist heute mit all den Tools keine Kunst mehr irgendeine Website zusammenzuklicken. Die grösste Kunst ist es, den Kunden die Arbeit so gut wie möglich zu erleichtern. Effizient, schnell und dem Vorwissen der Kunden entsprechend. Auch du sparst so Zeit mit Schulungen die nicht mehr so kompliziert sein brauchen. Seite auswählen – Text anpassen, auf aktualisieren klicken – fertig.

Würde ich WordPress nutzen, wenn Geld und Zeit keine Rolle spielt?

Nein, ich denke nicht. Das ist etwas was viele Personen einfach vergessen. Ich würde sehr gerne alles Custom von Hand entwickeln oder gleich ein eigenes CMS umsetzen. Aus geschäftlicher Sicht zahlt dir das aber niemand. Wenn jemand die gleiche Qualität für 10x weniger Geld bekommt, warum soll er dann das teure nutzen? Und wir sprechen hier von gleicher Qualität und je nachdem sogar bessere als dir irgendeine teure Agentur anbieten kann.

Code Qualität von Freelancern vs. Agenturen

Agenturen betreiben oft Out-Sourcing und haben keine Entwickler in House. Sie wissen also gar nicht richtig, worauf es zu achten gilt. Sauberer, barrierefreier Code? Ist bei sehr vielen teuren Agenturen Fehlanzeige. Grösser und teurer ist nicht immer besser. Da könnte ich jeweils kotzen, wenn Websites von „renommierten Agenturen“ nichtmal ohne Maus bedient werden können. Na bravo. Marketing Bullshit und unter der Haube Müll. Gibt es sehr oft, vor allem wenn es Experten in irgendwelchen CMS sind. simple :focus-visible States? WCAG berücksichtigt? WAI-ARIA berücksichtigt? Die meisten wissen nichtmal was das bedeutet. Schöne Experten sind das.

Alles von Hand oder bestehendes optimieren?

Mein Ansatz: Das Rad braucht nicht neu erfunden zu werden. Nimm ein Rad und optimiere dieses für deine Bedürfnisse. Fertig. Brauchst du ein Rad für eine Rennbahn? Dann optimiere es dafür. Für steiniges Gelände und ein Gebirge? Dann optimiere es auch dafür. Du musst nur wissen, wie du es optimieren kannst und gut ist.

Machst du sicher ja auch. Du schreibst deine APIs ja nicht 100% selbst und entwickelst deine Frameworks und Libraries in 99% der Fälle auch nicht von Grund auf neu.

Würde ich WordPress für alles nutzen, egal was? Nein. Wenn ich einen OnlineShop mit 1’000’000 Produkten anbieten soll auf welchem innerhalb einer Stunde 50’000 verschiedene Menschen herumsurfen, gibt es sicher Systeme die schneller laufen und einfacher zum verwalten sind, weil sie genau für solche Zwecke gemacht werden. Aber theoretisch wäre auch das möglich.

Fazit

Bevor du also nochmal irgendwelchen Entwicklern sagst warum WordPress so scheisse sei und alles viel einfacher mit Wix geht – informiere dich zuerst 😉

Zu deiner Verteidigung: Falls du nur Kunden hast die 3-4 Seiten brauchen und ein kleines Formular und für die es ok ist Standardtemplates zu nutzen, dann nutze Wix und gut ist. Wenn du aber Kunden aus allen Branchen und komplexen Anforderungen hast, kannst du Wix vergessen. Ah und zu den 3-4 Seiten. Ich habe Projekte mit 2 Seiten – welche aber mit Wix gar nicht umgesetzt werden können. Oder soll ich nächstes mal der Grafikerin sagen – du sorry, kannst du das irgendwie anders machen, weil das geht nicht mit Wix? Haha, ich denke nicht.